Des Rätsels Lösung

4 12 2008

Nach der zeitaufwändigen Sichtung und Bewertung verkünden wir hiermit das Ende des komplexen, mehrstufigen Evaluationsprozesses. Es ist uns eine Ehre bei dieser Gelegenheit auch gleich die Gewinnerin bekannt zu geben. Vorher ist es der Jury jedoch ein aufrichtiges Bedürfnis allen Autorinnen und Autoren zu danken und lobend festzustellen, dass sich die Beiträge sowohl bezüglich Originalität wie auch Kreativität und Überwindung der Partizipationshemmschwelle auf einem durchwegs sehr hohen Niveau befinden. Unter allen eingesendeten Beiträgen hat jedoch nur einer die tatsächlichen Ereignisse, zwar ein bisschen indirekt aber dennoch absolut korrekt, beschrieben. Die Jury ist darüber hinaus äusserst beeindruckt von der einzigartigen Prägnanz und Kürze der richtigen Lösung. Genau sieben Wörter bringen die Sache auf den Punkt. Herzliche Gratulation an T. Schild aus Thun! Folgender Preis wird Sie – inshalla – in Kürze erreichen.

 

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Als Sonderauszeichnung vergeben wir darüber hinaus an sämtliche Beitragende die ehrenhafte ‘Auszeichnung zur Förderung aktiven Bloglebens’ ganz im Sinne des deliberativen Bloggens nach Jürgen Habermas.

 

DIE LÖSUNG: Unsere beiden unabhängigen Bremssysteme – Handbremse und Fusspedal – sind und waren vollkommen intakt. Der Grund des sich stetig veringernden Abstandes zwischen uns und dem vorderen Fahrzeug lag vielmehr in einer visuellen Täuschung: NICHT WIR sind auf das vordere Auto zugerollt sondern DAS VORDERE AUTO ist in Richtung Stossstange unseres komplett zum Stillstand gekommenen Sidis ZURÜCK GEROLLT (hat wohl seine Handbremse nicht gezogen gehabt) und dies war eben auch durch noch so kräftigen Druck auf UNSER Bremspedal nicht zu verhindern. Trotz aufgrund der Jahreszeit fehlender Hitze beschreibt also der Ausdruck ‘Fata Morgana’ das Geschehene völlig korrekt.





Rätsel

24 11 2008

Als wir bei Adana auf der Autobahn von hinten auf eine Kolonne auffahren, realisieren wir plötzlich, dass wir dem vorderen Fahrzeug zwar im Schritttempo aber unaufhaltsam näher rollen. Ich drücke wiederholt fest auf die Bremse und ziehe – die Erfolglosigkeit dieser Aktion realisierend – auch noch kräftig die Handbremse. Ohne Ergebnis, der Zusammenstoss – oder dank der geringen Geschwindigkeit eher das Zusammenstösschen – scheint unvermeidlich. Das tragische Ende der schwarzen Farbe unserer Stossstange? Unsere Nerven flattern, die Spannung steigt. Erst im letzten Moment beginnt die Kolonne anzurollen, der andere Wagen fährt los und verhindert so eine Kollision…

Ende gut alles gut. Die Frage bleibt: Was geschah am 22. November 2008 an der Mautstelle bei Adana? Lösungsvorschläge können per Kommentarfunktion eingereicht werden. Der ersten richtigen Rätselraterin / dem ersten richtigen Rätselrater winkt eine Überraschung aus Nahost.





Unterwegs nach Syrien

24 11 2008

Nach unserem langen Aufenthalt in Anamur hatten wir uns bereits für die Abreise am Dienstag 17. November 08 entschieden. Der Sidi hat die „ästhetische Operation“ bzw. den Verlust aller D-Aufschriften und das Hinzufügen des Schriftzugs „Petrol“ über dem Tankstutzen, gut überstanden. Nun müssen wir bloss Acht geben, dass die Tankwarte, uns dies nicht tatsächlich einfüllen. “Petrolio“, so sein neuer Deckname ist auf dem besten Weg in seine neue Rolle als feiner, leiser „Bänsiner“ hineinzuwachsen. Wenn er sich nur noch das gelegentliche Rauchen abgewöhnen könnte. Zum Grund der Metamorphose: In Sürie würden wir pro Woche hunderttswäntsg Baze Disuschtüür berappe… Auch wir sind nach fast zwei Wochen erholt und verspüren wieder ziehende Reiselust. 

Alles war bereit, aber es sollte nicht sein. Am Abend zuvor im Dunkeln vor mir die unregelmässigen Stufen runtersteigend, macht Fräne völlig ansatzlos einen Hechtsprung gefolgt von einer technisch einwandfreien Bauchlandung. Klingt, ist aber nicht lustig. Der Absprung muss nämlich als bös missglückt bezeichnet werden. Fränes Knöchel ist überhaupt nicht amused und … den Rest könnt ihr euch vorstellen. Nach zwei „Zwangshängemattentagen“ mit hochgelagertem Bein in Anamur – Rekonvaleszenz könnte auch in einer unangenehmeren Umgebung von statten gehen – reisen wir schliesslich am Donnerstag 19. November 08 ab. Fräne ist nach wie vor ziemlich immobil und kann den Fuss nicht belasten. Das ist im Moment nicht so schlimm, weil wir ziemlich viel fahren – wir wollen um den dritten Dezember die Österreicher in Akaba am Roten Meer treffen. Nun, da wir zwangsläufig das Auto kaum verlassen – dh Fräne, Chrigu muss im, und um‘s Auto immer alles organisieren und ist somit ständig auf den Beinen – sind wir doppelt froh, dass wir uns im Sidi inzwischen wirklich wie zu Hause fühlen. Die Kombination aus Geräumigkeit und Übersichtlichkeit scheint uns optimal.

Morgen 25. November 08 also queren wir die lang ersehnte, magische Linie zwischen dem Nur-Gebirge und dem fruchtbaren Halbmond: die türkisch-syrische Grenze. Wir planen Syrien zügig zu durchfahren – Ziel: uns mit Damaskus anfreunden – und schon eine Woche später Richtung Jordanien wieder zu verlassen. Auf einen intensiven Besuch auf dem „Rückweg“ Richtung Iran freuen wir uns schon jetzt!





Kappadokien

16 11 2008

Es ist dies der äusserste, nordöstlichste Punkt, wo sich die grossen Touristenmassen noch gerade so hintrauen, bevor sie dann zurück in die nummerierte, klimatisierte Sicherheit der Hoteltürme, der hochglanzherausgeputzten – die aber doch stets, gemäss Lonely Planet „den ursprünglichen Charakter bewahrt haben“ – Flanierzonen und der ebenfalls mit Sicherheit völllig überteuerten „hello my friend“- Teppichshops, zurückgekarrt werden.

In dieser kleinen ca. 5×10km Region erleben wir zwei Wunder:

1. Die etwa drei nur noch halb ursprünglichen Dörfer in der Gegend haben sich trotz einer beeindruckenden Dichte an Hotels und Restaurants einen durchaus sympathischen Charakter und ein erträglich überhöhtes Preisniveau bewahrt.

2. Das weiche Tuffgestein vulkanischen Ursprungs hat hier eine einzigartige Landschaft geformt. Dort wo härtere Gesteine den Tuff vor Erosion schütz(t)en, bildeten sich kaminartige Gebilde in allen Formen und Grössen. Diese wurden dann von den Bewohnern seit mehreren tausend Jahren eifrig ausgehöhlt und zu Wohnstätten, Kirchen, Ställen und ganzen unterirdischen Städten umfunktioniert.

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Die von uns besuchte Untergrundstadt in Derinkuyu ist acht Stockwerke tief in den Tuff gegraben und bot Platz für ca. 20‘000 Leute, die in Notzeiten mit Kuh, Kind und Kegel monatelang Unterschlupf fanden. Sie verfügte über ein eigenes Wasser- und ein ausgeklügeltes Belüftungssystem und war über kilometerlange Tunnels mit anderen unterirdischen Städten verbunden. Angreifer – sofern sie den Eingang überhaupt fanden – wurden durch zentnerschwere Steine und leicht zu verteidigende, enge Eingangstunnel abgehalten in denen die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt war, während die Verteidiger im nachfolgenden grossen Raum unbeschränkt agieren konnten. Im Innern herrscht eine Temperatur von konstant 12 Grad, in den unteren Stockwerken sogar kälter. Gelagert wurden insbesondere Wein (nach sechs Monaten im Halbdunkeln bei 12 Grad waren die Bewohner einem guten Schluck sicher nicht abgeneigt) und Getreide, es gab Schulen, Kirchen und Aufenthaltsräume. Speziell ist der Hochzeitsraum in dem die Neuvermählten ausnahmsweise während zwei Nächten alleine sein konnten und dabei sogar (Luxus pur) vom Atem einer daneben angebunden Kuh gewärmt wurden.

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Weitere kleinere Siedlungen, niedrige Gänge, Wohnungen, Kirchen, Leitern, usw. können wir auf unseren Wanderungen in den wilden und dramatisch schönen Tälern rund um Ilhara (schaut besonders die Fotos vom Kloster in Selime an), Güzelyurt und Göreme selber erforschen und erklettern.

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Wir machen auch die Bekanntschaft mit verschiedenen spannenden Leuten: Zuerst essen wir mit einem türkisch (sie: für Unicef tätige Politologin)-deutschen (er: Versicherer) Paar zu Abend. Richtig traditionell (der Preis ausgenommen) sitzen wir auf Kissen am Boden und geniessen eine ausgezeichnete Küche. Endlich haben wir nun die Möglichkeit jemandem auch komplexere (oder politisch heikle) Fragen zur Lage und Entwicklung in der Türkei zu stellen. Wir lassen uns nicht zweimal bitten. Auf dem Campingplatz treffen wir dann ein nettes französisches Paar mit dem wir einige Wanderungen unternehmen.

Zum krönenden Abschluss gönnen wir uns in Ürgüp ein Hammam mit Schaummassage. Zuerst duschen wir, dann gehen wir in die Sauna und nach der anschliessenden Ruhezeit auf heissen Marmorplatten wird uns der Schmutz in grossen Fasern vom Leib gerieben. Beeindruckend, um nicht zu sagen erschreckend, was sich da angesammelt hat, und so selten duschen wir nun auch wieder nicht;) Anschliessend werden wir mit weichem Schaum aber festem Griff massiert. Nachdem die Schmerzen in den bearbeiteten Muskeln ein bisschen abgeklungen sind, spüren wir die wohltuende Wirkung und schlafen ganz entspannt ein.

 

Weitere Informationen

http://knol.google.com/k/christian-schmid/derinkuyu/1za62y08wmloj/4#

http://knol.google.com/k/christian-schmid/-/1za62y08wmloj/9#edit





Verkehr

14 11 2008

Ein paar türkische Besonderheiten:

Die gut ausgebauten Landtrassen (die meisten sind zweispurig und die übrigen werden fast ausnahmslos ausgebaut) sind vorwiegend von Lastwagen, Bussen und in Stadtnähe von unzähligen Dolmuşes (ca. 10-plätzige Sammeltaxis) befahren. Die auch in der vom öffentlichen Verkehr relativ gut erschlossene Schweiz zu beobachtenden Ströme von unterbesetzten blechernen Statusobjektiven, fehlen hier völlig. Dafür gibt es ein privat betriebenes, effizientes und preiswertes Bussystem. Die Türken machen den Europäern vor wie man ÖV betreiben kann – auf die Frage ob sie denn nicht doch auch Europäer sind, kann hier nicht eingegangen werden, wir sind ja schliesslich auch keine.

Die Türken also ein Volk von Umweltschützern? Nun, angesichts der die Strassenränder säumenden Petberge und der Lösung der Abwasserprobleme mit besonders langen Rohren ins Meer anstatt mit Kläranlagen muss dieser Erklärungsansatz wohl leider verworfen werden. Erhellender ist ein Blick auf die Benzinpreise der erstaunlich zahlreichen Tankstellen, die wohl kaum rentieren aber dafür unseren Tank jeweils bis zum letzten – inkl. 5x Auto nachschütteln, damit der Tankspiegel vielleicht noch um 1mm sinkt – Tröpfchen füllen. Die Preise sind deutlich höher als in der Schweiz und wenn die unterschiedliche Kaufkraft berücksichtigt wird, wird sofort klar, warum sich die Türken ca. 4x länger überlegen ob sie selber fahren wollen oder nicht. Bei einem Benzinpreis von ca. 8.- CHF/l würden wohl auch in der Schweiz mehr Leute den ÖV in Betracht ziehen – sofern sie von den SBB überhaupt transportiert werden könnten, aber das ist auch wieder eine andere Geschichte.