Merhaba. Seit dem letzten Eintrag ist viel geschehen und doch ist es nicht einfach ein Thema auszuwählen. Es folgen einige kleine Episoden:
Um auf die asiatischen Seite des Bospurus zu gelangen hat man genau zwei Brücken zur Verfügung. Nach einer längeren – wenn auch nicht orientierunglosen so doch etwas „indirekten“ – Fahrt stehen wir endlich vor der nicht-beabsichtigten Brücke inklusive Mautstation, deren verschiedene Spuren – ihr ahnt es schon – nur in Türkisch angeschrieben sind. Weil überdies Piktogramme für unnötig befunden worden waren, können wir uns absolut unvoreingenommen für eine Spur entscheiden. Kurz unentschlossen wählen wir die Spur links der Mitte. Also rechts sind wir sicher nicht und allzu extrem links auch nicht. An der Barriere erwartet uns dann ein freundlicher Mensch, dessen in makellosem Türkisch vorgetragener Vorschlag, uns für 45.- CHF eine Karte zu verkaufen, von uns ebenfalls makellos und freundlichen mit hayr (Nein) beantwortet wird. Tja, was nun? Notgedrungen verlegen wir uns auf unschuldig Lächeln und Schulterzucken. Nach drei langen und unfruchtbaren Minuten beiderseitigen, starrsinnigen Wiederholens des eigenen Standpunktes erbarmt sich schliesslich jemand nicht mehr sooo freundliches aus der hinteren Kolonne und entwertet eine Fahrt von seiner Karte.
In Bursa übernachten wir – wieder einmal – auf einer Tankstelle. Am folgenden Morgen kommt spontan der junge Geschäftsführer vorbei, lädt uns zu einem Tee ein und schenkt uns eine schöne Kerze sowie die Herausforderung mit den 30 oder so uns bekannten Wörtern eine halbe Stunde ein Gespräch zu führen. Fazit: Die Gastfreundschaft ist offensichtlich sogar in den Städten gross und auch hier scheint es als ob ausländische Fahrer rare Gäste sind.
Bei einem Kontrollblick stellten wir fest, dass sich Sidi eigenmächtig entschlossen hat uns nach hinten eine bessere Sicht zu verschaffen. Die hintere Türe scheint vom Gewicht der Velos, die nun schon seit längerem als faule Passagiere mitfahren, derart nach aussen gebogen zu sein, dass wir bei geschlossener Türe durch einen Spalt nach draussen sehen können – und dies nicht etwa durch das Fenster. Da wir bereits genügend Frischluftzufuhr haben und wir auch keinen weiteren Noteinstieg brauchen (vgl. unten), führen wir die Türe einem türkischen Mechaniker vor – und tatsächlich, er findet einen Weg, sie oben besser zu verankern. Bei einem weiteren Cay schweigen wir uns dann noch ein Weilchen an, bevor wir uns dann auf dem Schlafplatz neu entschlossen hinter unsere Türkisch-Wörter machen. Fazit: Die Mechaniker sind gut, unsere Sprach-
kenntnisse weniger.
Beim Warten auf einen freiwerdenden Parplatz in Izmir können wir uns zwar unseres Erachtens zufriedenstellend verständigen. Um jedoch ganz sicher zu sein, dass wir ausser einem Parkplatz keine weiteren Probleme, Bedürfnisse, Wünsche haben, holt der Wächter vorsorglich sprachliche Verstärkung in Form des Hotelportiers des ziemlich gediegenen Swisshotels gleich nebenan und dieser wiederum ruft seinen Vorgesetzten. Ihm bestätigen wir schliesslich auf Englisch, dass wir wunschlos glücklich sind.
Wir befinden uns im Moment in Izmir, fahren dann weiter nach Ephesus, bevor wir dann über das Landesinnere Richtung Kapadokien ruckeln.
Damit kein falscher Eindruck entsteht noch folgender Zusatz: wir schlagen uns sprachlich (und auch sonst:-) wacker durch, kommunizieren alles in allem ganz erfolgreich mit den Leuten und unser Wortschatz und unsere Ausdrucksmöglichkeiten vergrösseren sich angesichts unseres sprachlichen Kaltstarts sowie der zumeist fehlenden Fremdsprachenkenntnisse unserer Gesprächspartner, rasend schnell.
Der Westen der Türkei erscheint uns abseits weniger, per Schiff und Flugzeug erschlossener Touristenzentren, als modernes und industrielles – aber durchaus nicht als ein vom internationalen Massentourismus „betroffenes“ Gebiet. Wir entdecken hier moderne Städte (Bursa-Izmir) und eine zeitweise wunderschöne Küste (um Ayvalik, unterhalb Dikili), die aber leider an manchen Orten rasant mit Fertigbauimmergleicheterasseundrasenmitblickaufsmeerreihenhäuschen, wohl für lokale Käufer, zer…baut wird.
Liebe Grüsse aus Izmir







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