Ein trauriger Tag …

19 09 2008

… denn heute wanderte das letzte Stück Heimat in Form einer Schoggikugel in meinen Mund, nun sind wir wirklich wahrlich weit weg von daheim. Diese sehr emotionalen Momente häufen sich nun, die Budget-Konservendosen gehen bald aus und schliesslich wird auch Fräne von ihrem Schoggipulver (Schokoladenpulver nicht für Milch sondern für Kuchen), Ligne Patisserie. Strichcode: 7 6165500 730205) Abschied nehmen müssen. Aufmerksame und mitleidende Leser haben sicherlich die unterschwellige Botschaft für den Fall eines Besuches verstanden …

Mit dem Sommer geht also auch der Schoggi und eigentlich auch unsere Ferien zu Ende. Nach zwei gemütlichen Wochen Kroatien fahren wir morgen nach Mostar und dann – nun etwas „zügiger“ – weiter nach Sarajewo, Serbien, Bulgarien und Istanbul. In den zwei letzten Tagen haben wir uns in Ruhe auf einem gemütlichen und billigen Campingplatz mit (ausser für Skype) einwandfreiem Internet auf die Weiterreise vorbereitet. Nun sind endlich auch unsere Fotos sowie einige andere Dinge à-jour (siehe rechte Spalte).

Es geht weiter.

Tops: Nette kroatische Besitzer, Internet, viel Zeit

Flops: Deutscher Rentnergroof, mit dem wir uns zur allgemeinen Betroffenheit nicht so recht anfreunden können





Trogir, Split und Dubrovnik (HR)

17 09 2008

Zurück an der Küste merkt man davon nicht mehr viel. Die Touristen sind in eindrücklichen Massen zurück. Weil davon natürlich alle profitieren wollen, wird in einigen Gebieten gebaut als gelte es die architektonischen Blindflüge der spanischen Costa del Sol in Rekordzeit zu wiederholen. Vielleicht hält die Vernunft vorher Einzug aber ihr solltet euch die Küste sicherheitshalber möglichst bald noch selber ansehen, es lohnt sich.

Juwelen auf dem Weg Richtung Dubrovnik sind die ausgezeichnet erhaltene Altstadt von Trogir (Weltkulturerbe) und das einmalige Split. In letzterem wurden die mittelalterlichen Häuser in einzigartiger Weise in einen spätrömischen Kaiserpalast, dessen Mauern der Bevölkerung Schutz vor den im Rahmen der Völkerwanderung eindringenden Avaren und später Slawen bot, integriert. Noch heute sind deshalb die
römischen Mauern und Paläste nicht als Ruinen sondern als bewohnte Gebäude gut sichtbar. Die entstehende Vermischung derart vieler Einflüsse und Kulturen ist so faszinierend, dass sich das unvermeidliche Durchfahren der – hm – etwas weniger bezaubernden jugoslawischen Betonblock-Kultur in der Agglomeration auf jeden Fall lohnt. Der einzige Vorteil dieser – Diplomatie mal bei Seite lassend – potthässlichen Viertel ist es, dass man sich für einmal problemlos auf die Strasse konzentrieren kann,
was ansonsten entlang dieser dramatisch schönen Küste nicht immer ganz einfach ist.

Am Sonntag (14. September 08) geht hier der Sommer zu Ende. Es regnet in Strömen und die Sonnenstundenstatistik der Riviera erwischt einen buchstäblich schwarzen Tag. Nun, die Sonne ist schon wieder da – das Thermometer klettert hingegen wohl in diesem Jahr nicht mehr über 30°C. Optimale Verhältnis also um heute (Mittwoch, 17. September 08) die Mauern Dubrovniks zu erstürmen. Gestern hatten wir schon erste Erfahrungen gemacht. Die Stadt ist in jeder Beziehung einzigartig. Mauern: rundherum intakt (ausser siehe Restaurant) schützen sie die … Altstadt: malerischer und cleaner geht es nicht, alles leuchtet romantischstens im warmen Abendlicht und wartet auf … Touristen: zu tausenden stürmen sie aus luxuriösenKreuzfahrtschiffen und allen möglichen weiteren Verkehrsmitteln in die Stadt und sitzen abends in die … Restaurants: wohl hunderte an allen möglichen Lagen; Highlight sind die zwischen (durchbohrte) Aussenmauer und Meer angesiedelten Bars, die allerdings eher …  teuer sind: die Stadt sprengt unsere, bis jetzt beinahe eingehaltene Budgetplanung. Die Schweiz ist also doch nicht wirklich sooo teuer. Bilder und weitere Kommentare folgen im nächsten Beitrag.

Adio





Plitzvice & Krajina (HR)

17 09 2008

Dobar Dan,

Ich weiss ja nicht wie die Zeit bei euch so vergeht – hier rast sie ob all der neuen Eindrücke sehr schnell vorbei. Es ist als wären wir schon Monate unterwegs.

Beinahe noch schneller rasen allerdings die kroatischen Autofahrer an uns vorbei. Unsere 73 Pferdchen tun ihr Bestes aber das ist für die hiesigen Verhältnisse eben nur in flachem Terrain gut genug. Bergauf überholt uns dann jeweils Kreti und Pleti, nur Pferdewagen konnten wir bisher hinten halten. Besonders eindrucksvoll sind jeweils die grossen Reisecars, ihr Luftstoss beschleunigt uns jeweils wenigstens für kurze Zeit auf quasi-konkurrenzfähige Geschwindigkeit.

Zurück oder eher vorwärts zur Reise. Der Plitvicer Nationalpark (10. September 08) ist wirklich sehr eindrücklich und zwar sowohl die Natur als auch die Touristenkolonnen, die im Gänsemarsch und Reih und Glied ihre Speicherkarten füllten. Gücklicherweise überwiegt die Natur. Dazu nun für einmal anstelle ironischer Sprüche eine kurze Abhandlung über das beobachtete Phänomen, um den edukativen Ansprüchen der Leserschaft zu entsprechen. Leicht verkürzt gesagt werden im Wasser gelöste Kalkteilchen – und von denen gibt es in diesen Kalkgebirge jede Menge – von Moosen und sonstigem Gewächs gefiltert und in Form von Kalttuff, welcher sich in dieser Weise jedes Jahr um ca. 1cm auftürmt und damit das Wasser ständig zu neuen Wegen zwingt und es so mal hier mal dort scheinbar überall durch wildes Gelände und Wald sowie in
unzähligen Wasserfällen von einem türkisblaugrün leuchtenden See zum anderen fliessen lässt, abgelagert.

Nach diesem Höhepunkt fahren wir weiter durch – und dies ist leider bitterer um nicht zu sagen blutiger Ernst – immer noch teilweise zerschossene und in Ruinen liegende Gebiete der ehemaligen von Serben eroberten Krajina. Die sehr trockene und karge gleichzeitig aber wunderschöne Landschaft wurde Zeuge vieler menschlicher Tragödien. 1991 wurden zuerst 40’000 Kroaten und 1995 im Gegenzug 150’000 Serben
vertrieben.





Skocjanske Jame (Slo), Krk (HR)

10 09 2008

Erste Station nach Ljubljana waren die Grotten von Skocjanske Jame, ein UNESCO-Weltnaturerbe. Die Grotten sind sogar meinem Löcherhirni unvergesslich. Immerhin noch vor den ersten Stalaktiten wusste ich auf einmal: „da war ich doch schon mal“. Nun: Zweimal besucht erinnert man sich sicherlich besser.

Weiter ging es dann schnurstracks Richtung Kroatien, das uns ausgesprochen freundlich in Form eines freundlichen Tourismus-Büros-Angestellten empfing. Als ginge es darum das Büro für eine Neuauflage zu räumen, lud er uns bei jeder tatsächlichen oder erahnten Frage noch eine weitere Hochglanzbrochure dazu. Zu seinem Entzücken konnte er dabei seine Mitgabequote zusätzlich noch durch die Abgabe der englischen und französischen Versionen vervielfachen. Dank uns, ganz klar ein heisser Kandidat für den „Auflader des Monats“.

Ein paar Kilo schwerer steuerten wir daraufhin unseren Sidi zielsicher auf einen Mini (=billig)-Campingplatz auf der Insel KRK, die fürs Schnorcheln sehr geeignet sein sollte.

Das Meer war tatsächlich wundersam blau und klar, auf dem Campingplatz allerdings eher die Lage denn der Preis billig – sprich vom blauen Meer trennten uns mind. 20 steile Gehminuten. Habe ich schon erwähnt, dass die Velos eine gute Idee waren? Nach dieser gemischten Bilanz gaben wir dann noch einem selbstgewählten Platz, dieses Mal wirklich billig und sogar direkt am Meer, eine Chance. Nun stimmten also Preis, Lage und Meer. Hingegen war ein wenig irritierend, dass die besten Plätze an der schönen, felsigen Bucht von wenig bis noch weniger bekleideten älteren Herren und einigen Damen besetzt waren. Soweit so gut, die privaten – oder hier eher öffentlichen Bekleidungsvorlieben in Ehren. Wenn aber dann so alle paar Minuten so ein Prachtsexemplar an einem vorbeischwabbelt bzw. baumelt führt das mittelfristig – d. h. im Falle von Fräne nach ca. 1.14 Sekunden zu einer „ablehnenden“ Reaktion, die sich da sie ja ev. mal Diplomatin werden will zwar öffentlich nur zurückhaltend – innerlich und dem Bekanntenkreis (also mir) gegenüber aber unverblümt und drastisch äussert. Erschwerend für das Standort-Ranking kam noch hinzu, dass uns eine örtliche Geburtstagsparty mit stundelangem kroatischem Jodel und ähnlichem Lärm beglückte. Resultat: wir haben unseren eigentlich für mehre Tage geplanten Aufenthalt auf eine Nacht verkürzt.

Weiter fuhren wir auf einem wunderschönen Küstenabschnitt ins Landesinnere Richtung Plitvicer Nationalpark. Anstelle langer Beschreibung genügen einige Bilder sowie die Feststellung, dass das Gefährlichste an dieser Strecke Unfälle infolge Landschaftsbetrachtens sei…

 

 

 

Und so kommen wir eben in dieses Dorf mit den verlassenen Häusern und dem schnellem Internet, bevor wir nun heute in den Genuss eines nächsten UNESCO Weltnaturerbe kommen werden.